Mit dem Handy Leben retten

b-cared nennt sich die neueste Notruf-Lösung eines Wiener Startup, die als mobile Alternative zum klassischen Hausnotruf eingesetzt werden kann. Ende des Sommers soll mit b-cared eine zeitgemäße, mobile Notruflösung auf den Markt kommen.

Foto: Paul-Georg Meister_pixelio

Gemeinsam mit der FH Technikum Wien hat das Wiener Start-up caregency ein Notruf-System speziell für ältere Menschen entwickelt. Mit Hilfe von Crowdfunding soll ein rascher Markteintritt von b-cared ermöglicht werden. Bei Erreichen des Ziels schenkt das Startup 100 Einheiten an soziale Dienste (Caritas, Rotes Kreuz und Stiftung Liebenau), die ältere Menschen betreuen.

Mobile Notruf-Lösung für ältere Menschen

In Deutschland, Österreich und der Schweiz leben bereits mehr als 16 Millionen Menschen mit einem Alter von über 65 Jahren allein. Diese leben ständig in der Gefahr, dass ein Notfall nicht oder viel zu spät von möglichen Helfern wahrgenommen wird. Oftmals sind sie nach einem Sturz aufgrund einer Verletzung oder eines Gebrechens nicht in der Lage, selbst Hilfe zu holen und bleiben nicht selten mehrere Stunden unentdeckt liegen („Long Lie“). So werden pro Jahr 3,2 Prozent der allein Lebenden über 65 Jahre bei Rettungseinsätzen tot oder hilflos in ihren Wohnungen aufgefunden. Das sind mehrere tausend Menschen in Deutschland und Österreich. Jedes Jahr!

Ein Nachteil gängiger Systeme ist zudem, dass die Person selbst in der Lage sein muss, einen Notruf auszulösen. Viele ältere Personen finden das Tragen von Hausnotruf-Armbändern und ähnlichen Alarmierungshilfen stigmatisierend und fühlen sich durch fixe Basisstationen in ihrer Mobilität massiv eingeschränkt.

Die Entwicklung von b-cared begann vor ungefähr einem Jahr vom Kommunikationsexperten und Universitätslektor Mag. Gergely Teglasy und dem Filmregisseur Michael Bindlechner. "Meine Mutter ist 86. Ich kümmere mich um sie, doch sie lebt 80 Kilometer von mir entfernt. Ich habe oft Sorge gehabt, was bei einem Notfall geschieht. Sie findet das Tragen von Hausnotruf-Armbändern oder ähnlichen Alarmierungshilfen stigmatisierend. So brachte sie uns auf die Idee, b-cared zu entwickeln. Und dann haben wir gedacht: Wenn das meiner Mutter helfen kann, dann können wir damit auch vielen anderen alleinlebenden älteren Menschen helfen", erklärt Michael Bindlechner gegenüber dem Onlinedienst pressetext.

Aus diesem Grund haben die beiden caregency-Gründer mit b-cared eine zum Patent angemeldete, zeitgemäße und die Mobilität nicht einschränkende Alternative zum Hausnotruf und zu Notfall-Armbändern entwickelt. Automatische Synchronisierung für mehr Sicherheit Im Unterschied zu anderen Systemen geht b-cared den umgekehrten Weg der Notfall-Benachrichtigung. Denn die selbsttätige Alarmierung kann so eingerichtet werden, dass diese bei Ausbleiben einer Reaktion des Benutzers innerhalb eines von ihm bestimmten Zeitfensters selbsttätig erfolgt.

Durch die automatische Synchronisation der ok-Zeiten zwischen dem Benutzer-Endgerät und einer Servereinheit wird eine Alarmierung auch dann gewährleistet, wenn der Benutzer oder sein Endgerät - zum Beispiel nach einem Sturz - dazu nicht in der Lage ist. Zusätzlich kann der Alarm auch jederzeit durch den Benutzer manuell ausgelöst werden, sowie ein Notfall auch automatisch durch den eingebauten Fallsensor erkannt werden. b-cared ist damit die erste Notruf-Lösung, für die der Benutzer nur das braucht, was er ohnehin hat und kennt - sein Handy.

Damit können in einem Notfall nicht nur Angehörige informiert werden, sondern auch Nachbarn sowie der Rettungsdienst oder zuständige Betreuungsorganisationen. Das Konzept erkennt Notfälle und kann ausgewählte Kontakte, Betreuungsorganisationen oder Rettungsdienste selbsttätig alarmieren. Und das selbst dann, wenn die betroffene Person dazu nicht in der Lage ist, wenn das Handy keinen Empfang hat oder wenn dieses (z. B. bei einem Sturz) kaputt gegangen ist!

Caritas, Rotes Kreuz und Stiftung Liebenau

Die gestartete Crowdfunding-Kampagne auf VisionBakery.com, durch die die Fertigstellung der Entwicklung finanzieret werden soll, unterstützt nicht nur eigene Angehörige, sondern auch soziale Dienste. Bei Erreichung des Kampagnenziels werden 100 Einheiten von b-cared an soziale Dienste, die sich um ältere Personen kümmern, verschenkt.
Die deutsche Stiftung Liebenau und die St. Anna Hilfe für ältere Menschen sowie die Caritas Österreich und das Schweizer Rote Kreuz freuen sich über die Unterstützung durch die Aktion.

Markteintritt von b-cared mit Hilfe der Crowd

Derzeit existiert bereits einen stabilen funktionierenden Prototyp und ausführliche Usertests wurden erfolgreich abgeschlossen. All das hat das Zweimann-Unternehmen finanziert und es arbeitet daran, dass die App, die es vorerst nur als Android-Variante gibt, immer besser wird.
Was dem Unternehmen noch fehlt ist die serverseitige Implementierung. Mit dieser können die Helfer (Kinder, Enkel, Nachbarn, Rettungsdienste u. a.) auf aktuelle Notfalldaten (wie z. B. die letzte bekannte Position etc.) zugreifen, um rasch helfen zu können.

Damit diese innovative Notfall-Lösung für allein lebende ältere Menschen fertiggestellt und via Download verfügbar gemacht werden kann, bitten die Gründer nun die Crowd um Unterstützung. "b-cared gibt älteren Menschen Sicherheit ohne Einschränkung ihrer Mobilität und kann durch rasche Hilfe bei einem Notfall sogar Leben retten", so Mag. Gergely Teglasy. Ab sofort können Interessierte das Projekt finanziell unterstützen und so die Fertigstellung sowie die Unterstützung der sozialen Dienste ermöglichen. Sie erhalten als Dankeschön das System zur Nutzung z.B. im monatlichen Abo mit Flatrate. Das System ist auch inklusive Smartphone erhältlich oder das gewählte Paket kann an eine soziale Organisation weitergeschenkt werden.

Für Firmen mit sozialer Verantwortung und Vereine stehen größere Sponsorenpakete zur Verfügung. Crowdfunding-Link: http://www.visionbakery.com/b-cared

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