Neuauflage eines Klassikers

Neuauflage eines Klassikers

Im Zuge von Ersatzbeschaffungen wurden die meisten LF 8 in Niedersachsen inzwischen durch LF 10 ersetzt. Doch die Freiwillige Feuerwehr Bomlitz hat sich bewusst dagegen entschieden und sich für eine Neuauflage stark gemacht. Doch warum?

Lange Jahre war das Löschgruppenfahrzeug 8 nach technischer Weisung 14 des Landes Niedersachsen in vielen Kommunen in Niedersachsen das Standardfahrzeug für die meisten Stützpunktfeuerwehren. Im Zuge von Ersatzbeschaffungen wurden die meisten von ihnen mittlerweile durch LF 10 ersetzt. In den meisten Fällen, war dies von den Verantwortlichen die richtige Entscheidung, da dadurch viele einsatztaktische Vorteile erzielt werden konnte.

Gewichtseinsparung

Die Freiwillige Feuerwehr Bomlitz hingegen, hat sich bei der Ersatzbeschaffung ihres LF 8 aus dem Jahre 1991, aufgebaut von Schlingmann auf einem Mercedes Benz 711D, ganz bewusst gegen ein LF 10 und für die Neuauflage eines LF 8 ausgesprochen. „Auf den ersten Blick mag es durchaus komisch erscheinen, dass wir in der heutigen Zeit ein Fahrzeug beschaffen, welches über keinen Wassertank verfügt“, berichtet Ortsbrandmeister Martin Sommer. „Doch dadurch konnten wir es schaffen, ein Fahrzeug zu realisieren, welches ein Gesamtgewicht von unter 7,5 t hat und dadurch auch mit einem Führerschein der Klasse C1 oder einem Feuerwehrführerschein gefahren werden darf. Das Fahrzeug ist sehr kompakt und wendig und auch einsatztaktisch hätte uns ein Wassertank in der Größe von 600 bis 1.000 l keinen Vorteil gebracht“, so Sommer weiter.

Geringe Entnahmehöhe

Bei Brandeinsätzen rückt das neue LF 8 als drittes Löschfahrzeug nach einem HLF 20/16 und einem TLF 16/25 aus, welche zusammen  bereits 4.100 l Wasser an die Einsatzstelle bringen. Darüber hinaus sind durch die vergleichsweise geringe Höhe des Fahrzeuges Geräteentnahmen ergonomisch möglich. Hierdurch eignet sich das Fahrzeug auch optimal für die Ausbildung der Jugendfeuerwehr.

Aufgaben

Die Hauptaufgaben des neuen Fahrzeuges sind die Errichtung einer Wasserentnahmestelle, sowie die Bereitstellung von Personal- und Materialreserven an der Einsatzstelle. Für diese Zwecke ist neben der im Heck des Fahrzeuges eingebauten FPN 1000 auch eine PFPN 1000 verlastet. So ist es möglich  gegebenenfalls eine Verstärkerpumpe in der Wasserförderstrecke in Betrieb zunehmen. „Da wir gelegentlich zur Wasserentnahme aus offenem Gewässer auch sehr trockene Gebiete befahren müssen, ist durch einen in Buchten gelagerten C-Schlauch der Eigenschutz für das Fahrzeug sichergestellt“, berichtet ein Mitglied der Feuerwehr. Ergänzt wird die Beladung durch ausreichend Schlauchmaterial und Armaturen für die Brandbekämpfung. Bereits auf der Anfahrt ist das Ausrüsten von einem Trupp mit Atemschutzgeräten möglich.

Aufbau bei Rosenbauer

Als Fahrgestell für das Fahrzeug dient ein Iveco Daily, welcher von Rosenbauer im österreichischen Neidling mit einem Aufbau aus der Compact-Line-Serie versehen wurde. „Mit der Verarbeitung und den technischen Lösungen bin ich sehr begeistert“, berichtet ein Kamerad der Wehr, welcher selbst Metallbauer ist. Die Kabine bietet ausreichend Platz für eine komplette Löschgruppe. Mit Ausnahme der Fahrbeleuchtung sind alle Leuchten, inklusive der Umfeldbeleuchtung und des pneumatischen Lichtmastes in LED-Technik ausgeführt.

Mehr Verkehrsabsicherung statt CSA

Für die technische Hilfeleistung kleineren Umfangs, verfügt das Fahrzeug neben einer Motorkettensäge auch über einen Mehrzweckzug inklusive komplettem Zubehör und eine hydraulische Winde. Natürlich ist auch entsprechendes Handwerkzeug verlastet. Während auf dem Vorgängerfahrzeug noch zwei Chemikalienschutzanzüge mitgeführt wurden, wurde bei der Neuanschaffung darauf verzichtet, da das Einsatzkonzept der Wehr in den vergangenen Jahren komplett umgestellt wurde. „Anstelle der CSA führen wir nun genügend Material zur Absicherung der Einsatzstelle, wie Verkehrsleitkegel und Blitzleuchten mit“, freut sich Gerätewart Patrick Gehrke.

Ortsbrandmeister Martin Sommer resümiert: „Ich denke, mit diesem Fahrzeug ist es uns gelungen, genau das Einsatzmittel zu erhalten, welches zu unserem Konzept passt, auch wenn anfangs einige Kritiker in den eigenen Reihen überzeugt werden mussten. Andererseits bin ich froh, dass der gut fünf Jahre dauernde Beschaffungsprozess auf Grund von Haushaltskonsolidierungen und Vergaberechtlicher Einschränkungen nun ein gutes Ende gefunden hat.“

Thomas Klamet/FW Bomlitz

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