Brände selbst bekämpfen: Feuerlöscher im Test

Ein Wohnungsbrand ist gefährlich. Um sich zu schützen, ist ein Feuerlöscher für zu Hause ratsam. Stiftung Warentest hat sich verschiedene Geräte angeschaut und gibt Tipps für das Verhalten im Ernstfall.

Egal, ob zu Weihnachten der Adventskranz oder zwischendurch in der Küche die Pfanne mit dem heißen Öl Feuer fängt. Manchmal entsteht ein Brand in der Wohnung schneller, als man gucken kann. Mit einem Löschgerät können kleinere Brände selbst gelöscht werden. Stiftung Warentest hat die gängigen Feuerlöscher auf den Prüfstand gestellt.

Um zu schauen, welche Mittel wirklich hilfreich sind, wurden verschiedene Löschsituationen geprüft. So wurden Adventskränze angezündet, Elektro- und Kabeltrommeln sowie Speiseöl in Brand gesetzt. Besonders praktisch erwiesen sich bei der Feuerbekämpfung laut Stiftung Warentest Löschsprays mit 0,6 Liter Inhalt. Mit ihnen ließen sich alle Testbrände löschen. Ebenfalls empfehlenswert sind 6-Liter-Schaum- und Wasserlöscher. Aufgrund ihres größeren Löschvermögens sind die Geräte noch sicherer. Abgeraten wird von Löschdecken und Pulverlöschern.

0,6-Liter-Löschspray und 6-Liter-Löscher punkten

Das 0,6-Liter-Löschspray hat die Tester bei allen drei Bränden überzeugt. Innerhalb von maximal 26 Sekunden waren alle gelegten Feuer mit dem Spray erloschen. Mit einem größeren Wasser- oder Schaumlöscher kann man auf Nummer sicher gehen, denn er bietet mehr Löschmittelreserve.

Der Preis für die getesteten Löschsprays lag zwischen ca. 10 Euro (Reinold Max) und 25 Euro (Albus). Die 6-Liter-Schaum- und Wasserlöscher kosteten zwischen 55 Euro (Protex Schaumlöscher) und 84 Euro (Gloria Wasserlöscher).

Finger weg von Löschdecken

Die Nutzung einer Löschdecke fanden die Tester hingegen nicht ratsam. Im Test wurden eine kleinere und eine größere verwendet, um einen Brand zu ersticken. Prüfer Jörg G. kritisiert: „ Das Ausbreiten der Flammen konnte ich zwar stoppen, aber die Feuer waren nicht sofort aus.“ So schimmerte noch mehrfach das Feuer durch die Decke hindurch. Die größte Gefahr bei der Verwendung einer Löschdecke ist, dass man dem Feuer gefährlich nahe kommen muss.

Wenn beispielsweise Gardinen brennen, könnten diese während des Löschvorgangs auf den Kopf fallen. Ist die Kleidung einer Person in Brand geraten, können durch das Andrücken mit der Löschdecke auch glühende Stoffteile auf die Haut gedrückt werden. Schwere Verletzungen wären die Folge.

Die Preise für die getesteten Löschdecken lagen zwischen ca. 15 Euro (GEV) und knappen 30 Euro (Gloria).

Pulverlöscher für Wohnungen nicht empfehlenswert

Der Praxistest wurde nur im Freien durchgeführt, denn der größte Mangel des Pulverlöschers ist das Pulver selbst. Sobald der Pulverlöscher betätigt wird, entweicht eine große Pulverwolke aus dem Löschgerät. Brand und Umgebung sind nur noch schwer zu erkennen, was fatale Folgen haben kann. Für die Verwendung im Wohninnenraum ist ein Pulverlöscher auch aufgrund seines Verschmutzungspotenzials nicht geeignet. Das feine Pulver legt sich in Fugen und Ritzen und ist nur schwer wieder zu entfernen. Gegen die Löschwirkung ist nichts einzuwenden und verwendet werden kann der Pulverlöscher auch bei Minusgraden.

Getestet wurde ein 6-Kilogramm-Pulverlöscher (Adler) für 37 Euro.

Verhaltenstipps bei Bränden

Unabhängig davon, wie gut ein Feuerlöscher funktioniert, sollte bei Bränden höchste Alarmbereitschaft herrschen. Werden Fehler bei der Brandbekämpfung gemacht oder ist falscher Ehrgeiz im Spiel, kann das schlimme Folgen haben.

Die folgenden Hinweise sollten daher im Ernstfall unbedingt beachtet werden:

  1. Kein Wasser auf Öl – Brennendes Öl niemals mit Wasser löschen! Wird Wasser in brennendes Öl gegossen, entsteht in Sekundenschnelle eine gefährliche Flammenwolke aus Dampf und Fett. Entflammtes Öl lässt sich am besten mit einem luftdichten Deckel ersticken. Alternativ kann zu einem der Feuerlöscher gegriffen werden.
  2. Feuerwehr anrufen – Im Zweifel immer zum Telefon greifen und die Feuerwehr rufen. Selbst wenn der Brand eigenständig gelöscht wurde bis die Feuerwehr eingetroffen ist, muss der Einsatz nicht bezahlt werden. Wichtig ist, beim Anruf immer genaue Angaben zu machen und unbedingt darauf hinzuweisen, wenn sich Personen in Gefahr befinden.
  3. Vor Brandgasen schützen – Sicherheit geht vor. Brandgase sind gefährlich und können zum Ersticken führen. Sie enthalten giftige Substanzen, daher unbedingt verrauchte Bereiche meiden. Das gilt auch für Treppenhäuser, wenn es unten im Haus brennt. Richtig: Oben bleiben, an einem Fenster oder Balkon aufhalten und die Feuerwehr auf sich aufmerksam machen, sobald sie eingetroffen ist.
  4. Brände im Keim ersticken – Nur bei kleinen Bränden sollte versucht werden, selbst zu löschen. Bewährt haben sich Schaum- oder Wasserlöscher, welche aus sicherer Entfernung anzuwenden sind. Gezielt werden muss dabei immer auf das brennenden Material, statt auf die Flammenspitzen.
  5. In Sicherheit bringen – Ist es nicht möglich, den Brand selbst zu bekämpfen, gilt Flucht als sicherste Lösung. Fenster und Türen geschlossen halten, damit sich das Feuer nicht ausweiten kann. Die Tür sollte jedoch nicht abgeschlossen werden, damit die Feuerwehr sich schnell Zugang zum Brandort verschaffen kann.
  6. Training für den Ernstfall – Schlägt der Rauchmelder Alarm, sollte jeder wissen, was zu tun ist. Alle Mitbewohner müssen darüber aufgeklärt sein, welche Fluchtwege zu nutzen sind, wo sich ein Brandlöschgerät befindet und wie es zu bedienen ist.

Weitere Informationen zum richtigen Verhalten, Vorbeugen und zur Entsorgung von verbranntem Material gibt es hier

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