Deutsch-russischer Austausch im Rettungsdienst

Johanniter vermitteln Delegation aus Perm Know-how in der Ausbildung

Auf Einladung der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Niedersachsen/ Bremen reiste vergangene Woche eine russische Delegation aus Fachärzten und Lehrkräften des Regionalzentrums für Katastrophenmedizin Perm zu einem fachlichen Austausch rund um den Rettungsdienst nach Deutschland. Ein vielfältiges Aufenthaltsprogramm mit Besichtigungen verschiedener Gesundheitseinrichtungen in der Stadt Hannover und diversen Fachvorträgen stand auf dem Plan. Auch war die Delegation in der Rettungswache der Celler Johanniter im Behrenskamp zu Gast und nahm dort an einem Seminar zum Thema „Kooperatives Lernen“ teil.

Schwerpunkt Ausbildung

Einer der Schwerpunkte der Reise der russischen Delegation, zu der unter anderem der stellvertretende Gesundheitsminister der Region Perm, Konstantin Shipiguzov, sowie der Leiter des Regionalzentrums für Katastrophenmedizin Perm, Oleg Fedotkin, zählten, war der fachliche Austausch über das Ausbildungssystem im deutschen und russischen Rettungsdienstwesen. Einen ersten Eindruck über das deutsche Ausbildungssystem konnten die Gäste aus Perm bereits in der Johanniter-Akademie bekommen und haben sich dort außerdem zum Thema „Taktische Medizin bei Amok und Terrorlage“ informiert und an einer Übung teilgenommen.

Auch wurden der russischen Delegation Kenntnisse über das kooperative Lernen vermittelt. In einem Vortrag in der Johanniter-Wache in Celle erklärte Gerhard Latt, langjähriger Johanniter-Lehrbeauftragter, das Grundprinzip des kooperativen Lernens und die Idee, die dahinter steckt. Bei dieser Interaktionsform, die die Johanniter in ihrer Ausbildung seit vielen Jahren erfolgreich anwenden, erwerben die beteiligten Personen gemeinsam und in wechselseitigem Austausch Kenntnisse und Fertigkeiten.

Mehr Kommunikation und Kooperation notwendig

Allerdings sollte man nicht außer Acht lassen, dass der Einsatz dieser Interaktionsform eine intensivere Vorbereitung der Lehrkraft bedeutet. „Das kooperative Lernen erfordert ein großes Umdenken für den Lehrer und die Teilnehmer. Auch den Erfolg des Unterrichtes sieht man nicht sofort. Es muss mehr kommuniziert und zusammen gearbeitet werden“, so Gerhard Latt. Er ermutigte die russischen Kollegen, das kooperative Lernen im Unterricht in ihrem Heimatland einzusetzen. „Das gesamte Wissen kommt durch alle Teilnehmer zusammen. Ein gutes Team kann also mehr leisten als einzelne Teilnehmer und man hat dadurch mehr Erfolgserlebnisse“, betonte Gerhard Latt die Vorzüge in seinem Vortrag.

Neben den Fachvorträgen bekam die russische Delegation unter anderem bei einem Besuch des VW-Werkes in Hannover-Stöcken Einblicke in das betriebliche Gesundheitswesen. Auch konnte sie einen Blick in die zentrale Notaufnahme und ins Verbrennungszentrum der Medizinischen Hochschule Hannover werfen sowie die Luftrettungsstation und das Team rund um den Rettungshubschrauber Christoph 4 besuchen.

Hintergrundinformationen

Das Interregierungsabkommen zwischen dem Niedersächsischen Landtag und der Regierung des Gebietes Perm besteht bereits seit 1993. Im Rahmen dieses Abkommens gibt es eine Kooperation zwischen der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Niedersachsen/Bremen und der staatlichen Gesundheitseinrichtung Regionalzentrum für Katastrophenmedizin Perm/Russland. „Wir waren auf diesem Gebiet Pioniere, nun läuft dieser Austausch schon viele Jahre und ist eine feste Konstante geworden“, betont Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie. „Gegenseitiger Austausch von fachlichem Know-how fördert ebenfalls das bürgerliche Verständnis zwischen Russland und Deutschland, davon profitieren beide Seiten.“

Auch zwei weitere Besuche der russischen Delegation sind bereits geplant: Am 3. März nimmt sie am Hannoverschen Notfallsymposium teil und ist vom 22. bis 24. Juni beim Johanniter-Landeswettkampf in Otterndorf zu Gast.

Johanniter

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