Mehr Respekt für Einsatzkräfte in Uniform

Die Gewalt gegen Einsatzkräfte hat in Berlin erschreckende Ausmaße angenommen. Innensenator Frank Henkel startete die Kampagne „Respekt? Ja, Bitte!“ und stellte einen Videospot vor.

Sie werden angegriffen, bespuckt, beleidigt, angepöbelt. Die Gewalt gegen Staatsbedienstete in der Hauptstadt nimmt zu – Tendenz steigend. Allein 5.900 Polizisten wurden im Jahr 2013 Opfer von Straftaten. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl schon auf 6.540 Fälle an – im Schnitt 18 pro Tag. Zusätzlich Attacken gehen gegen Feuerwehrleute (BF und FF) sowie Mitarbeiter vom Ordnungsamt.

Innensenator Frank Henkel stellte am 19. November 2015 einen Videospot vor, der für mehr Respekt gegenüber Polizistinnen und Polizisten, Feuerwehrleuten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ordnungsämter werben soll. Der Clip ist Teil der Kampagne „Respekt? Ja, Bitte!“ der Landeskommission Berlin gegen Gewalt. In dem Spot kommen auch betroffene Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsämtern zu Wort.

Bedroht, angepöbelt, geschubst, geschlagen

Ein Straßenfest im Juli: Anita Steinfort läuft mit einem Polizeikollegen zusammen Streife. Sie sehen, wie sich zwei Männer schlagen. Eine Menschentraube hat sich um sie herum gebildet. „Sie kamen gleich auf uns zu, schubsten uns, beschimpften uns“, sagt die Polizistin. Entsetzt ist Anita Steinfort von den vielen Schaulustigen: „Sie zückten ihre Handys, statt in der Not zu helfen.“

In dem Film geht es um fehlenden Respekt: Einem Hotel-Rezeptionisten wird ein Stinkefinger gezeigt oder einem Bäcker Mehl ins Gesicht geschüttet. Einer Frau, die eine Geschäftspräsentation zeigt, wird zerknülltes Papier an den Kopf geworfen. So etwas kommt an „normalen“ Arbeitsplätzen nicht oft vor. Bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sieht das anders aus. Selbst alltägliche oder vermeintlich harmlose Einsätze können für Uniformträger gefährlich werden.

„Wir werden zu einem Verkehrsunfall gerufen, da muss man vor Ort erstmal die Straße absperren, und die Fahrzeuge zur Seite räumen“, sagt Feuerwehrmann Bernd Bruckmoser, im Film. „Da gibt es oft genug Fahrzeugführer, die der Meinung sind, sie können nicht fünf Minuten warten und fahren uns dann über den Besen oder über die Schuhe. Man muss dann schon zur Seite springen, damit man nicht zu Schaden kommt.“ „Bei Schlägereien, zu denen wir gerufen werden stellen die Parteien dann plötzlich fest, dass es eigentlich viel mehr Spaß macht, auf die Feuerwehr loszugehen. Dann sind die sich einig und wir sind die Bösen.“

Er wünsche sich mehr Respekt, sagte er bei der Vorstellung des Films. „Es wäre schön, wenn man uns wenigstens unsere Arbeit machen ließe.“ Doch stattdessen gibt es mehr Angriffe: Im vergangenen Jahr registrierte die Feuerwehr 31 gewalttätige Übergriffe auf Einsatzkräfte. In diesem Jahr waren es schon 37 Fälle. Feuerwehrleuten wird eine hohe Toleranzschwelle nachgesagt, sodass die Dunkelziffer an nicht gemeldeten verbalen und körperlichen Attacken wesentlich höher liegen dürfte, sagte ein Behördensprecher.

Sibylle Brüdgam vom Ordnungsamt Lichtenberg ahndete eine Ordnungswidrigkeit. „Der Autofahrer kam auf mich zu, er war damit nicht einverstanden und pöbelte rum“, erzählt sie. „Dann setzte er sich ins Fahrzeug und fuhr mich leicht an. Mein Kollege riss die Tür von dem Auto auf, forderte ihn auf, den Motor auszumachen. Daraufhin kam der Mann wutentbrannt raus und trat meinem Kollegen mit voller Wucht in den Magen.“

Angriff auf Polizisten als Volkssport

Jeder Mensch verdiene Achtung und Respekt, sagt Innensenator Henkel. „Man ist auch Mensch, wenn man eine Uniform anhat.“ Respekt verdienten auch Mitarbeiter in Jobcentern, Bürgerämtern oder Zulassungsstellen und Lehrkräfte. Laut Henkel gibt es in Berlin Viertel, in dem Polizistenangreifen zu einer Art Volkssport geworden ist. So geschehen vor einigen Tagen in der Rigaer Straße in Friedrichshain. Unter einem Vorwand wurde die Polizei dorthin gerufen, dann wurden die Beamten mit Pflastersteinen beworfen.

Ohne Pathos soll zum Nachdenken angeregt werden. „Wenn im vergangenen Jahr in Berlin an jedem Tag rechnerisch rund 18 Polizisten im Dienst Opfer einer Straftat wurden, dann muss das die Öffentlichkeit wach rütteln! Wir kämpfen für einen gesellschaftlichen Konsens, für unsere Werte. Dafür ist der Film ein guter Ansatz.“ So Henkel abschließend.

Der Film liegt als Kurzversion für eine schnelle Verbreitung im Internet und als längere Version für den moderierten Diskussionseinstieg bei Veranstaltungen vor. Beide Versionen können auf der Homepage der Landeskommission Berlin gegen Gewalt www.berlin.de/gegen-gewalt , oder unter
Kurzversion: https://www.youtube.com/watch?v=N9kSO6g7oEw&feature=youtu.be 
Langversion: https://www.youtube.com/watch?v=i4sj14Y9Voo&feature=youtu.be 
abgerufen werden.

Nicht nur in Berlin

Dass die Berliner Einsatzkräfte damit nicht allein stehen, legt eine Artikelserie des Münchener Merkurs mit den Erlebnissen von bayerischen Feuerwehrleuten nahe, die im Frühjahr des Jahres veröffentlicht wurde. In der dritten Folge dieser Feuerwehr-Serie berichten ehrenamtliche Lebensretter, mit welcher Ignoranz Menschen ihnen begegnen. Die Feuerwehrleute stellen die Frage: Wo bleibt der Respekt für unsere Arbeit? Zu lesen unter
http://www.merkur.de/bayern/feuerwehrleute-bleibt-respekt-unsere-arbeit-4771840.html#idAnchComments Senatsverwaltung für Inneres / www.berliner-zeitung.de / Berliner Feuerwehr / Redaktion / www.merkur.de

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