Starkregen-Bilanz des Sommers

Auch in diesem Jahr hatten die Feuerwehren in Deutschland im Sommer weniger mit der großen Hitze als mit großen Regenmengen zu kämpfen.

Besonders in Berlin und im Harz führten Starkregen und Überschwemmungen zum Ausnahmestand. Es wurden mehr Notrufe gemeldet, als bearbeitet werden konnten. Dann hieß es: "Bitte nur dringende Anrufe." Vollgelaufene Keller mussten warten.

Das Fazit des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dürfte daher überraschen.

So viel Regen wie nie in Berlin

Die Region Berlin-Brandenburg erlebte den nassesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Laut des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen dort mehr als 420 Liter pro Quadratmeter. Das ist die doppelte Regenmenge im Vergleich zu anderen Jahren. Besonders die extremen Dauerregenfälle vom 20. Juni bis 02. Juli 2017 verursachten Schäden von rund 60 Millionen Euro, zu denen überflutete Keller, unterspülte Straßen sowie überschwemmte Wiesen und Felder zählten. Insgesamt beziffert sich der Schaden durch Starkregen und Hagel an Gebäuden, im Hausrat und an Autos auf 600 Millionen Euro.

Am 29. Juni 2017 regnete es in Berlin-Tegel innerhalb von 24 Stunden fast 200 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es im Schnitt im ganzen Jahr knapp 800 Liter je Quadratmeter.

Tief Alfred überflutet den Harz

Die Unwetter des Sommers sorgen auch im Harz für bleibende Erinnerungen. Tief Alfred brachte vom 24. Juli bis 26. Juli 2017 extreme Regenmengen nach Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Der DWD konnte an der Eckertalsperre in diesen drei Tagen 302 Liter Regen pro Quadratmeter messen. Geflutete Keller und Straßenschäden waren die Folge.

Doch nicht überall in Deutschland gab es Extremsituationen. In Bayern und Baden-Württemberg schien sogar die Sonne besonders häufig. Laut DWD war der Sommer dieses Jahr durch den mäßig warmen Norden und den heißen Süden geprägt.

Kein Schaden-Rekord für Versicherer

Für den GDV ist dieser Sommer allerdings nicht besonders rekordverdächtig. "Die Starkregenereignisse haben zwar für deutliche Schäden gesorgt – aber eben nur lokal begrenzt", sagt Olaf Burghoff, Leiter der Sachstatistik.

Solche Wetterlagen sind laut Burghoff nichts Außergewöhnliches. 2014 setzte beispielsweise ein Starkregen Münster fast komplett unter Wasser. Im Sommer 2016 waren vor allem Bayern und Rheinland-Pfalz von heftigen Regenfällen in kurzer Zeit betroffen.

GDV und DWD erforschen Starkregen

In einem gemeinsamen Projekt erforschen die Versicherer und der Wetterdienst, wo es in Deutschland statistisch mehr Niederschläge gibt und welches Schadenpotential dort besteht. Diese Erkenntnisse stehen im Moment noch nicht zur Verfügung. Der dritte Partner, die IAWG (Ingenieurhydrologie, angewandte Wasserwirtschaft und Geoinformatik) untersucht dabei den Einfluss verschiedener Landformen wie Bergkuppen und Senken.

Ausreichende Absicherung für Haus und Hof

Vielen Betroffenen wird erst nach einem Wasserschaden bewusst, dass nur eine erweiterte Naturgefahrenversicherung ausreichend Schutz bietet. Feuer- und Sturmversicherung allein geben keinen Vollkaskoschutz für das Haus.

Weitere Beiträge zu den Themen: 

Heute am meisten gelesen

Gefährlicher Brandrauch (Foto: M. Arning)

Ist der Brandeinsatz ein Gefahrguteinsatz? FEUERWEHR-Autor André Piekuth zog bei den 3. Hamburger Atemschutztagen im Mai 2017 einen Vergleich.

(Bild: Martin Mairinger/stock.adobe.de)

Seitdem Drohnen auch für Privatleute erschwinglich sind, boomt der Verkauf der autonomen Luftfahrzeuge.

Neuen Kommentar schreiben