Neue „Mode“ - Gefährliche Suizide

Warnhinweis - Gefahr durch neue Suizidmethode für Einsatzkräfte

Die Bundespolizeidirektion Stuttgart warnte vor Selbstmord mit Schwefelwasserstoffgas und anderen für Rettungskräfte und Unbeteiligte gefährlichen, giftigen Stoffen.

Selbstmorde mit Hilfe von Reinigungs-, Kosmetik- und Pflanzenschutzmitteln sind neuere Methoden, die laut Veröffentlichungen aus Japan, den USA und Großbritannien immer mehr in Mode kommen. Interpol gab eine Warnmeldung heraus, da Beschreibungen dieser Selbstmordmethode und Informationen dazu mehrfach im Internet auftauchen.
Eine Methode, die des Öfteren beschrieben und scheinbar immer häufiger angewendet wird, ist die Verwendung von säure- oder schwefelhaltigen Haushaltschemikalien zur Produktion des tödlichen Gases Dihydrogensulfid/Schwefelwasserstoff (H2S).
Diese neue Art des Selbstmordes ging von Japan aus, wo mindestens 500 Menschen - Männer, Frauen und Kinder - in der ersten Hälfte des Jahres 2008 auf diese Art zu Tode kamen. Selbstmorde dieser Art geschehen immer in geschlossenen Räumlichkeiten wie Fahrzeugen, Schränken, kleinen Räumen etc. Das Opfer mischt die zu verwendenden Chemikalien selbst in einem offenen Behältnis, z. B. Eimer an. Ist die korrekte Mischung entstanden, wird Schwefelwasserstoff freigesetzt.
In einigen Fällen wurden von den Opfern Warnhinweise aufgestellt, um die Ersteingreifkräfte vor der Gefahr zur warnen. Ebenso wurden durch die Opfer oft die Fenster und Lüftungsöffnungen von Fahrzeugen mit Klebeband verklebt, um ein Entweichen des entstehenden Gases zu verhindern.
Mitte September gab es einen Suizid mit Schwefelwasserstoff am Kaarster See (NRW). Die Person wurde leblos in ihrem Pkw gefunden. Sie war blau angelaufen und augenscheinlich tot. Im Verlauf des Einsatzes wurde der Bereich um den Pkw weiträumig abgesperrt (30 m Radius). Die Feuerwehr öffnete in Schutzanzügen das Auto. Der beißende Schwefelgeruch war weithin riechbar. Die persönlichen Gegenstände des Suizidenten wurden luftdicht und nur unter zur Hilfenahme von Schutzanzügen durch die Feuerwehr verpackt und von einem Gefahrguttransporteur übernommen. Die Leiche des Suizidenten musste einige Stunden ausgasen, bevor sie luftdicht verpackt werden konnte. Alle Ritzen am Pkw waren mit Panzerband abgedichtet, damit nichts von dem Giftgas nach Außen dringen konnte. Der Einsatz selber dauerte mehrere Stunden.
Von der Feuerwehr wurden Messungen zum Schwefelwasserstoffgehalt in der Luft des Pkw gemacht. Die Polizisten hatten anscheinend eine Armee von Schutzengeln, denn es wurde festgestellt, dass, wenn sie die Türe des Pkw geöffnet hätten, sie sofort bewusstlos geworden wären. Da Schwefelwasserstoff schwerer als Luft ist und sich am Boden sammelt, wären die Polizisten innerhalb von ein bis zwei Minuten verstorben. Weiterhin ist das Gas so explosiv, dass der kleinste Funke beim Versuch des Öffnens der Türe ausgereicht hätte, um den Wagen und damit wohl auch die eingesetzten Beamten in die Luft zu sprengen.

Suizid im Badezimmer
Eine weitere Suizidmethode durch Vergiftung mit Kohlenstoffmonoxid (CO) kann ebenfalls zu einer erheblichen Gefährdung von Einsatzkräften und weiteren Personen wie Nachbarn führen. Wie verschiedene Berufsfeuerwehren aus mehreren Bundesländern berichten, sind bereits mehrere ähnliche Fälle der in Asien weit verbreiteten Methode bundesweit aufgetreten. Von einem Fall berichtete die Feuerwehr Münster.
Im Mai dieses Jahres waren die Einsatzkräfte zum Suizid eines jungen Mannes gerufen worden, der jedoch ein Warnschreiben hinterlassen hatte. Der Mann hatte im Badezimmer seiner Wohnung die Innentür rundum mit Klebeband abgedichtet und das Fenster fest verschlossen. Daraufhin entzündete er auf einem Grill Holzkohle. Durch die langsam vor sich hin glühende Holzkohle entwickelte sich nach und nach immer mehr Kohlenstoffmonoxid, das aufgrund der Abdichtungen nicht aus dem Raum entweichen konnte. Von außen waren weder Brandrauch noch Gasgeruch feststellbar.
Die Polizei- und Feuerwehrkräfte fanden zum Glück zunächst das Warnschreiben des jungen Mannes und konnten sich deshalb auf die Situation einstellen. Die Raumluft im Bad war bereits zu 43 % mit dem geruchlosen, hochgiftigen Kohlenstoffmonoxid angereichert. Nach der Öffnung der Badtür verteilte sich das Gas im Wohnhaus, wobei selbst in angrenzenden Räumen noch eine Konzentration von 20 Vol.-% gemessen wurde.
Da bei dieser Suizidmethode typische äußerliche Warnhinweise wie Brandrauch, Gasgeruch o. ä. in der Regel fehlen, können sich die Einsatzkräfte sehr schnell in eine lebensgefährliche Situation bringen, wenn nicht geeignete Schutzmaßnahmen (umluftunabhängiger Atemschutz, Tragen von geeigneten Schutzanzüge usw.) getroffen werden.
Kohlenstoffmonoxid ist hochgiftig. Bereits bei einer Konzentration von zwei bis fünf Volumenprozent sind ernsthafte körperliche Ausfallerscheinungen möglich. Außerdem ist vor der Türöffnung zu beachten, dass entweder eine Gasausbreitung in andere Gebäudebereiche wirkungsvoll verhindert wird (etwa durch Überdruckbelüftung) oder dass die angrenzenden Bereiche zuvor evakuiert worden sind, um eine Gefährdung weiterer Personen ausschließen zu können.
Bei allen Einsätzen dieser Art ist daher höchste Sensibilität geboten. Wenn etwas Merkwürdiges auffällt, sollte diese Information unbedingt ernst genommen und unverzüglich dem Einsatzleiter gemeldet werden.

 

 

 

 

 

Zu beachten:
Auf folgende Besonderheiten ist beim Auffinden von Personen bzw. beim Verdacht auf Suizid zu achten:
+ das Opfer erscheint bewusstlos und nicht ansprechbar,
+ Klebeband an Fenstern, Türen und/oder den Belüftungsöffnungen,
+ Abschiedsbrief,
+ Warnhinweis für die Rettungskräfte (siehe Abbildung),
+ offene Eimer, Töpfe oder Plastikbehälter mit Chemikalien,
+ leere Chemikalienbehälter im oder neben einem Fahrzeug (siehe Abbildung),
+ Geruch nach faulen Eiern/Klärgas

Quellen:
Polizei NRW, Böblingen, den 17.10.2011, Monika Glowig, PHK’in
A. Blasczyk

Hinweis: Falls Sie nicht zu einer Feuerwehr gehören und an Suizid denken, empfehlen wir Ihnen die Hotline der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention unter der Telefonnummer  0800 - 111 0 111!

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