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FEUERWEHR | RETTEN – LÖSCHEN – BERGEN
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Der Klimawandel sorgt für extreme Wetterereignisse. Hitzewellen mit Waldbrandgefahr sind gefolgt von Hagel und massiven Regenfällen, die Überschwemmungen und Hochwasser nach sich ziehen. Für derartige Herausforderungen beschaffte die Branddirektion Stuttgart vier neue, sehr spezielle Unimog-Fahrzeuge.

Aktuell wechseln die Wetterextreme von Hitze, Dürre und Trockenheit zu massiven Regenfällen. Erhöhte Waldbrandgefahr, Hochwasser und Überschwemmungen sind oft das Resultat. Sie zählen zu den aktuell größten Herausforderungen der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes. Um entsprechend vorbereitet zu sein, hat sich die Stuttgarter Branddirektion für die Anschaffung von insgesamt vier neuen Unimog (Mercedes-Benz) entschieden. Beschafft wurden:

Während die TLF-W zum Löschmitteltransport im Gelände eingesetzt werden, dienen die Rüstwagen der Technischen Hilfeleistung. Alle vier Fahrzeuge besitzen Feuerwehr-Aufbauten vom Typ „Varus 4×4“ von Schlingmann, die jeweils aufgabenspezifisch angepasst wurden. Bei allen vier neuen Unimog sind Seilwinden an der Front und Astabweiser zum Schutz vor Beschädigungen verbaut. Laut Dr. Georg Belge (Amtsleiter Branddirektion Stuttgart) erfordert die topografische Lage Stuttgarts und der Umgebung Fahrzeuge, die in extremen Geländen eingesetzt werden können.
Zusammen mit zwei älteren TLF auf Basis des U 1250 können die neuen Fahrzeuge eine „Task Force“ bilden, die Vegetationsbrände, kritische Hochwasserlagen und Überschwemmungen effektiv bekämpft. Diese bundesweit einzigartige taktische Einheit ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Stuttgart an den Standorten Uhlbach (U 323 RW-K), Degerloch (U 5023 RW-HG), Heumaden und Büsnau (die beiden U 5023 TLF-W) stationiert und kann für regionale sowie überregionale Einsätze abgerufen werden.

Der „Rüstwagen kompakt“ (RW-K) ist eine echte Besonderheit. Er wurde auf Basis des allradgetriebenen U 323 4×4 aus der Unimog Geräteträger-Baureihe entwickelt. Bei einer Fahrgestellbreite von schmalen 2,20 m bietet er Platz für drei Feuerwehrangehörige (Truppfahrzeug). Damit erreicht die FF Stuttgart auch Einsatzorte mit sehr schmalen und steilen Straßen, z.B. in den Stuttgarter Weinbau- und Waldgebieten – dank der hohen Traktion ganzjährig auch bei widrigen Wetterverhältnissen.
| Technische Daten RW-K | |
| Typbezeichnung | Rüstwagen Kompakt (RW-K) |
| Besatzung | 1:2 |
| Fahrgestell | U 323 4×4 aus der Unimog-Geräteträger-Baureihe (Mercedes-Benz) |
| Breite | 2.200 mm |
| Radstand | 3.600 mm |
| Gesamtmasse | 12.700 kg |
| Motorleistung | 170 kW/231 PS |
| Getriebe | Automatic-Shift-Schaltgetriebe (EAS) mit Geländegruppe |
Der Unimog U 323 RW-K hat Differenzialsperren an Vorder- und Hinterachse, welche als Portalachsen ausgeführt sind. Außerdem verfügt er über eine Motorleistung von 170 kW (231 PS) und ein Automatic-Shift-Schaltgetriebe (EAS) mit Geländegruppe. Eine erhöhte Anhängelast bis 20 t ermöglicht das Ziehen eines Zentralachsanhängers.
Auf dem Fahrhausdach sind zwei LED-Scheinwerfer angebracht, die zusammen mit der Umfeldbeleuchtung (LED-Spots) auf den vorderen Aufbauecken und einem pneumatischen Lichtmast für eine gute Ausleuchtung des Einsatzortes sorgen. Eine Klimaanlage schützt die Besatzung vor Hitze und verhindert ein Beschlagen der Scheiben bei Kälte.
Rostfreie, geschweißte Spezialprofile aus Edelstahl bilden das Aufbaugerippe. Die Werkzeuge und Spezialgeräte befinden sich in LED-beleuchteten Geräteräumen, z. B. Motorketten- und Säbelsägen, Trennschleifer, Sappies, Fällheber, Hebekissen, ein Hebebaum, ein Chokerseil, eine Schleifkorbtrage, ein hydraulischer Rettungssatz sowie Schutzkleidung. Eine Multifunktionsleiter, ein 230-V-Ladegerät und Batterien sowie ein Flaggensatz und Geräte für die Grobreinigung des Einsatzorts befinden sich im Dachkasten. Weiterer Bestandteil der feuerwehrtechnischen Ausrüstung ist ein tragbarer, manuell bedienbarer mechanischer Greifzug mit 16 kN Zugkraft.

| Technische Daten RW-HG | |
| Typbezeichnung | Rüstwagen Hochgeländegängig (RW-HG) |
| Besatzung | 1:2 |
| Fahrgestell | Unimog U 5023 (Mercedes-Benz) |
| Radstand | 3.850 mm |
| Gesamtmasse | 14.500 kg |
| Motorleistung | 170 kW/231 PS |
| Getriebe | Automatisiertes Schaltgetriebe mit Geländegruppe |
| Besonderheiten | Reifendruckregelanlage, Portalachsen mit hundertprozentig wirkenden Längs- und Querdifferenzialsperren, Rohrbruchsicherung der Bremsanlage, Watfähigkeit: 1,2 m |
Die Schubrohrtechnik der Portalachsen mit hundertprozentig wirkenden Längs- und Querdifferenzialsperren und die Rohrbruchsicherung der Bremsanlage sind charakteristische Eigenschaften des neuen Unimog U 5023 RW-HG, dessen Beladung im Wesentlichen vergleichbar mit der des U 323 RW-K ist. Jedoch hat der tragbare Greifzug mit 32 kN eine deutlich höhere Zuglast.
Das Fahrzeug verfügt über eine Reifendruckregelanlage (ebenso wie die beiden TLF-W). Damit können der Luftdruck und somit Aufstandsfläche der Reifen per Knopfdruck reguliert werden. Das Fahrzeug befährt daher mühelos unterschiedliche Untergründe wie asphaltierte Zubringer oder sandige und schlammige Böden.
In überfluteten Gebieten punktet der RW-HG mit einer Watfähigkeit von 1,2 m. Das Dach des Aufbaus bietet Platz für bis zu zehn Personen, die dort bei Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen in Sicherheit gebracht werden. Dies gilt auch für die beiden neuen TLF-W.

Mit den TLF-W auf U 5023 besitzt die Branddirektion Stuttgart die ersten zwei Fahrzeuge eines neuen Typs, der speziell für Vegetations- und Waldbrände konzipiert ist. Er lässt sich auch bei Wasserkatastrophen einsetzen. In den niedrigen „Varus 4×4“-Aufbau von Schlingmann in Edelstahl-Aluminium-Verbundbauweise mit sehr tiefem Schwerpunkt ist ein T-förmiger Löschwassertank für 3.200 l Wasser integriert. In der Doppelkabine finden vier Personen samt Schutzkleidung und Ausrüstung Platz. Die Beladung verteilt sich auf zwei seitliche und einen heckseitigen Geräteraum, die flexibel durch Dachkästen und weitere Lagerungen ergänzt werden können. Durch eine Reifendruckanlage und Beadlock-Felgen sind die Räder auf besondere Anforderungen ausgelegt und ermöglichen beispielsweise das Befahren frisch abgebrannter Vegetationsflächen.
Im Pump-and-Roll-Verfahren können aus zwei Dachluken bis zu 2.000 l/min Löschwasser abgegeben werden. Für Eigenschutz sorgen ein Frontsprühbalken sowie Sprühdüsen vor allen vier Rädern und ein Astabweiser an der Kabine. Für besonders kritische Situationen ist eine motorunabhängige Selbstschutzanlage mit je 230 l Wasser in separaten Tanks verbaut. Betriebsrelevante Leitungen sind durch spezielle Hitzeschutzummantelungen geschützt.
Zur Ausrüstung zählen eine Feuerlöschkreiselpumpe mit Entlüftungseinrichtung, 20 Druckschläuche und ein 60 l fassender Schaummitteltank zur Netzmittelzumischung (reduziert die Oberflächenspannung des Wassers, damit es besser in das Brandgut eindringt). Wassertankheizungen schützen vor Frost. Weiterhin unterstützen Wärmebildkameras und Intercom-Sprechanlagen zur störungsfreien Kommunikation den Einsatz.
Für eine bessere Sicht sorgen die in LED-Technik ausgeführten Scheinwerfer an Front und Heck, die Umfeldbeleuchtung im Dachbereich sowie die Sondersignalanlage.
| Technische Daten TLF-W | |
| Typbezeichnung | Tanklöschfahrzeuge Waldbrand (TLF-W) |
| Besatzung | 4 Personen |
| Fahrgestell | Unimog U 5023 (Mercedes-Benz) |
| Radstand | 3.850 mm |
| Gesamtmasse | 14.500 kg |
| Motorleistung | 170 kW/231 PS |
| Getriebe | Automatisiertes Schaltgetriebe mit Geländegruppe |
| Aufbau | Varus 4×4 (Schlingmann) |
| Besonderheiten | Reifendruckregelanlage und Beadlock-Felgen, Portalachsen mit hundertprozentig wirkenden Längs- und Querdifferenzialsperren, Rohrbruchsicherung der Bremsanlage, Watfähigkeit: 1,2 m Frontsprühbalken und Sprühdüsen an allen Rädern sowie Astabweiser |

Unter Leitung der Branddirektion trainierten Ende Juli 35 Angehörige der FF Stuttgart den Einsatz mit den vier neuen Unimog-Fahrzeugen – unter realitätsnahen Bedingungen: Dafür ging es in die badische Gemeinde Ötigheim in die sogenannte „Kiesgrube“, ein Testgelände für hochgeländegängige Fahrzeuge. Dort lernten die Feuerwehrleute unter Anleitung erfahrener Trainer/-innen die Offroad-Fähigkeiten der Unimogs in extremen Einsatzsituationen kennen- und einzuschätzen. Sandstrecken, Schlamm- und Wasserdurchfahrten, Verwindungs- und Gefällestrecken, Baumstammüberquerungen sowie bis zu 35 Grad steile Rampen forderten Fahrzeuge und Mannschaft.
Laut Christian Schwarze (Leiter Abteilung Technik der Branddirektion Stuttgart) übertrafen die Fahrzeuge die gestellten Anforderungen. Das Offroad-Training habe den Maschinisten das Handling in extremen Situationen nahegebracht und deren Vertrauen in die Einsatzfähigkeiten der Unimogs erweckt.
Daimler Truck AG