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Zehn-Milliarden-Pakt: Verbände fordern Innovationen für den Bevölkerungsschutz

Die Eröffnung des Technologiezentrums für Drohnensicherheit am DLR-Standort Cochstedt (ST) am 18. August 2026 ist ein wichtiges Signal: Der Bund setzt auf Reallabore, um Forschung, technologische Innovation und die Anforderungen der Sicherheitsbehörden zusammenzuführen. Diese Entwicklung weist in die richtige Richtung – für einen zukunftsfähigen Bevölkerungsschutz braucht es jedoch einen deutlich breiteren Ansatz.

Multifunktionaler Einsatzroboter: Hier eine Vorführung der Feuerwehr Werl (Kreis Soest, NRW) zur Brandbekämpfung nach einem Gefahrstoffaustritt mit dem „RTE Robot“ von Rosenbauer. (Foto: Stefan Wagner)
Multifunktionaler Einsatzroboter: Hier eine Vorführung der Feuerwehr Werl (Kreis Soest, NRW) zur Brandbekämpfung nach einem Gefahrstoffaustritt mit dem „RTE Robot“ von Rosenbauer. (Foto: Stefan Wagner)
Einsatzroboter löscht: Wenn der Einsatz von Menschen riskant oder schwierig wird, können solche Systeme unterstützen, um die Gefährdungen für Einsatzkräfte zu minimieren. (Foto: Stefan Wagner)
Einsatzroboter löscht: Wenn der Einsatz von Menschen riskant oder schwierig wird, können solche Systeme unterstützen, um die Gefährdungen für Einsatzkräfte zu minimieren. (Foto: Stefan Wagner)

Wichtiger Schritt zur Resilienzstärkung

Die vom Bundeskabinett beschlossenen Eckpunkte für den Pakt für den Bevölkerungsschutz sind in diesem Zusammenhang ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Zivilen Verteidigung und des Bevölkerungsschutzes. Die vorgesehenen 10 Mrd. Euro bis 2029 müssen jedoch mehr leisten als bestehende Ausstattung zu modernisieren: Sie müssen neue Fähigkeiten aufbauen. Das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum (DRZ) und die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) fordern deshalb eine eigenständige, mit einem eigenen Budget ausgestattete Säule „Innovation und Technologietransfer“.

„Der Pakt darf kein reines Beschaffungsprogramm für den Bestand werden.
Er muss ein Fähigkeitspakt für die Zukunft sein.“

(Dirk Aschenbrenner, Vorstandsvorsitzender DRZ)

„Wer 10 Mrd. Euro investiert, muss festlegen, wie viel davon dafür eingesetzt wird, Robotik, Künstliche Intelligenz und unbemannte Systeme bis zur Einsatzreife zu bringen und bundesweit nutzbar zu machen. So schützen wir Einsatzkräfte und stärken die Handlungsfähigkeit des Bevölkerungsschutzes“, erklärt Dirk Aschenbrenner, Vorstandsvorsitzender des DRZ.

Deutsches Robotik Zentrum (DRZ): Zahlreiche robotische Systeme für unterschiedliche Einsatzzwecke zeigten am Stand des DRZ auf der Interschutz ihre Fähigkeiten. (Foto: Stefan Wagner)
Deutsches Robotik Zentrum (DRZ): Zahlreiche robotische Systeme für unterschiedliche Einsatzzwecke zeigten am Stand des DRZ auf der Interschutz ihre Fähigkeiten. (Foto: Stefan Wagner)

Unbemannte Luft- und Bodensysteme, Robotik und Künstliche Intelligenz können Einsatzkräfte bereits heute wirksam unterstützen: Sie liefern Lagebilder, messen Schadstoffe und erkunden Bereiche, die wegen Explosionen, Einsturzgefahr, Überflutungen oder Strahlenquellen lebensgefährlich sind. Sie ersetzen keine Einsatzkräfte, sondern halten Menschen aus Gefahrenzonen heraus und erweitern die Fähigkeiten von THW, Feuerwehren und Hilfsorganisationen.

Löschpanzer für Brandenburg: Das Land hat mehrere gepanzerte Fahrzeuge für die Gefahrenabwehr beschafft. Hinten der „Löschpanzer“ MVF-5. Das multifunktionale Robotersystem hat 2500 l Wasser und 500 l Schaummittel in den Tanks. Vorn ein autonom fahrender Bodenmanipulator für Brandschneisen. (Foto: Stefan Wagner)
Löschpanzer für Brandenburg: Das Land hat mehrere gepanzerte Fahrzeuge für die Gefahrenabwehr beschafft. Hinten der „Löschpanzer“ MVF-5. Das multifunktionale Robotersystem hat 2500 l Wasser und 500 l Schaummittel in den Tanks. Vorn ein autonom fahrender Bodenmanipulator für Brandschneisen. (Foto: Stefan Wagner)

Einsatzreife Fähigkeiten dringend erforderlich

Doch der Weg von Forschung und Industrie in den Einsatz dauert zu lange. Erfolgreiche Demonstratoren werden häufig weder beschafft noch in Ausbildung und Einsatz integriert. Benötigt wird ein durchgängiger Transferprozess von der Bedarfsermittlung über Entwicklung, realitätsnahe Erprobung und Validierung bis zu Standardisierung, Beschaffung und Qualifizierung. Dafür müssen Einsatzorganisationen, Wissenschaft, Industrie und Start-ups dauerhaft zusammenarbeiten; bestehende Forschungs-, Erprobungs- und Transferinfrastrukturen sind gezielt zu stärken.

Lastendrohne: Sie kann mehrere Liter Flüssigkeit transportieren und hat sich in der Landwirtschaft bei Düngung und Schädlingsbekämpfung bewährt. Sie könnte z. B. bei der Vegetationsbrandbekämpfung zum punktuellen Ausbringen von Retardent, also einer flammenhemmenden Flüssigkeit, genutzt werden und wurde auf der Interschutz am Stand der Fa. Dönges gezeigt. (Foto: Stefan Wagner)
Lastendrohne: Sie kann mehrere Liter Flüssigkeit transportieren und hat sich in der Landwirtschaft bei Düngung und Schädlingsbekämpfung bewährt. Sie könnte z. B. bei der Vegetationsbrandbekämpfung zum punktuellen Ausbringen von Retardent, also einer flammenhemmenden Flüssigkeit, genutzt werden und wurde auf der Interschutz am Stand der Fa. Dönges gezeigt. (Foto: Stefan Wagner)

Die geforderte Innovationssäule soll drei Aufgaben verbindlich abdecken: Fähigkeitslücken gemeinsam mit den Einsatzorganisationen ermitteln, neue Systeme unter realistischen Bedingungen erproben und validieren sowie erfolgreiche Lösungen in die breite Anwendung bringen. Messbare Fähigkeitsziele und ein verbindlicher Innovationsanteil am Gesamtbudget sollen sicherstellen, dass Investitionen nicht bei Forschungsprojekten oder Einzelbeschaffungen enden, sondern einsatzreife Fähigkeiten schaffen.

Die vfdb wünscht sich zudem eine Verzahnung des Sicherheitsforschungsprogramms der Bundesregierung mit dem Pakt für den Bevölkerungsschutz. Forschung für die zivile Sicherheit sei eine zentrale Stellschraube, um den Staat und die Gesellschaft für die Herausforderungen von morgen zu wappnen. Hierfür sei es auch von zentraler Bedeutung, die zivile Sicherheitsforschung ausreichend und nachhaltig zu finanzieren. „Eine praxisnahe und innovative Forschung hilft, die Sicherheit in Deutschland zu erhöhen“, hebt die Vizepräsidentin der vfdb Anja Hofmann-Böllinghaus hervor.

Tim Spießberger, vfdb-Pressesprecher

Über das DRZ

Das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum e. V. mit Sitz in Dortmund ist ein bundesweites Kompetenz-, Innovations- und Transfernetzwerk für robotische Systeme im Bevölkerungsschutz. Einsatzorganisationen, Wissenschaft und Wirtschaft entwickeln und erproben gemeinsam Technologien für reale Einsatzanforderungen und überführen sie in die Praxis.

Über die vfdb

Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) versteht sich als das deutsche Expertennetzwerk für Schutz, Rettung und Sicherheit. Sie zählt mehr als 3.000 Mitglieder. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist die Förderung der wissenschaftlichen und technischen Weiterentwicklung der Gefahrenabwehr. Das gilt für den Brandschutz ebenso wie für die technische Hilfeleistung, den Umweltschutz, den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz. Die vfdb bietet fachliche Unterstützung und ein breites, professionelles Netzwerk. Anwender wie die Feuerwehren und die Hilfsorganisationen sind mit wissenschaftlichen Institutionen und Leistungserbringern aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor vereint.